Montag, 31. Mai 2021

Feste Körperlotion mit Waldmeister für zart-duftende Haut

Der Waldmeister wächst wieder so üppig, dass er ohne großen Aufwand gesammelt werden kann. Schon beim Betreten der feuchten Buchenwälder strömt mir der würzig-süße Geruch entgegen. Neben dem ebenfalls fein duftenden Maiglöckchen bedeckt sein zartes Grün das trockene Laub vom Vorjahr. Der Waldmeister bereichert meine Kräuterküche und wird nicht nur in der klassischen Mai-Bowle verarbeitet, sondern aromatisiert auch Kuchen, Gelees oder Süßspeisen


 

Einige große Büschel trockne ich, um damit Kräuterkissen und Duftsäckchen zu füllen. 

Doch auch für die Hautpflege kommen neben dem Wohlgeruch auch die entzündungshemmenden, venenstärkenden und wundheilenden Eigenschaften zum Einsatz. Ich fertige in jedem Jahr einen Ölauszug, in dem mir der herrliche Duft für ein paar Monate erhalten bleibt. Dieses Mal habe ich mich für einen Auszug in Kokosöl entschieden, der dann die Basis für das nachfolgende Rezept ist. 

Waldmeister-Ölauszug 

Für dieses Rezept werden folgende Zutaten benötigt: 

Zubereitung 

Den Waldmeister reinigen und zu einem kleinen Sträußchen binden. Für einige Stunden trocknen lassen, damit sich das Aroma entfalten kann. 
Das Kokosöl sanft schmelzen. 
Das angetrocknete Waldmeister-Sträußchen in ein Glas geben, das warme Öl darüber gießen und verschließen. 
Die Mischung stelle ich dann für mindestens 24 Stunden bei circa 40 Grad in den Babykostwärmer oder Joghurtbereiter. Auch ein Reiskocher mit Warmhaltefunktion kann hierfür verwendet werden. 
Nach der Mazeration wird der Waldmeister aus dem Öl genommen. Den Ölauszug nochmals durch ein Leinentuch oder einen Teefilter abgesieben, damit keine Pflanzenteile im Öl verbleiben. 
 In ein gut verschließbares Glas fallen und mit dem Herstellungsdatum beschriften. Der Ölauszug ist kühl aufbewahrt für etwa 6 Monate haltbar. 
 

Feste Körperlotion mit Waldmeister 

Für dieses Rezept werden nur 2 Zutaten benötigt: 

Zubereitung 

Bienenwachs oder Beerenwachs in einem Becherglas auf dem Herd klar aufschmelzen. 
Den Waldmeister-Ölauszug in einem zweiten Becherglas auf etwa 40 Grad erwärmen. 
Den warmen Ölauszug in das geschmolzen Bienenwachs bzw. Beerenwachs einrühren bis eine homogene Masse entstanden ist. 
Die noch warme Masse in Silikonformen gießen und auskühlen lassen. Dann für ungefähr eine Stunde im Tiefkühlfach aushärten lassen. Nun lässt sich die Körperlotion gut ausformen. 
Die angegebene Menge reicht für 4 Stücke aus. Diese können bis zum Gebrauch eingefroren aufbewahrt werden. 

 

Anwendung 

Nach dem Bad oder der Dusche die Haut nur sanft trockentupfen. 
Mit der festen Körperlotion über die noch warme, feuchte Haut streichen und mit kreisenden Bewegungen einmassieren. Besonders von noch leicht feuchter Haut werden die Öle gut aufgenommen. 
Wenn noch zu viel Öl auf der Haut ist, nochmals kurz abbrausen und trockentupfen. 
An besonders trockenen Körperstellen, wie Ellenbogen oder Knie sorgt die feste Lotion auch zwischendurch für zarte Haut.

Sonntag, 16. Mai 2021

Reinigungsfluid aus Kastanienblüten – die gesunde und umweltfreundliche Alternative zu feuchtem Toilettenpapier

Endlich blüht der Kastanienbaum in unserem Garten wieder. Das freut auch die zahlreichen Insekten, die den Baum umschwirren. 


 Da ich die Verwendung von feuchtem Toilettenpapier sehr kritisch sehe, habe ich vor einigen Jahren die Sprühlotion als ökologische Alternative entwickelt. Mit heilenden Kräutern wie Ringelblumen oder Hamamalis, sowie wertvollen pflanzlichen Ölen reinigt die Sprays nicht nur zuverlässig, sondern unterstützen auch die Gesundheit in dieser besonders empfindlichen Körperregion. 

Kaum eine Pflanze hat in diesem Bereich mehr zu bieten, als die Rosskastanie, denn alle Pflanzenteile enthalten den entzündungshemmenden Wirkstoff Aescin. Dieser stärkt die Venen und hilft gegen Venenerkrankungen, Krampfadern und Hämorrhoiden. Die Verarbeitung der Kastanienblüten in dieses Reinigungsfluid bietet sich daher an. Die Wirkung der Kastanienblüten wird durch die antibakteriellen Eigenschaften des ätherischen Lavendelöls unterstützt. Sanftes Mandelöl pflegt die empfindliche Haut nachhaltig. 


Reinigungsfluid aus Kastanienblüten 

Für dieses Rezept werden folgende Zutaten benötigt: 

Zubereitung 

Die Kastanienblüten mit Wasser aufkochen, dann für etwa 15 Minuten köcheln lassen. 
Den Sud abkühlen lassen und filtern. 
Alle Zutaten in einen Sprühflakon geben und kräftig schütteln. 

Anwendung 

Vor jedem Gebrauch kurz schütteln, da kein Emulgator das Gemisch dauerhaft verbindet. Das Reinigungsfluid wird auf Toilettenpapier gesprüht. 
Die angegebene Menge sollte für 1 bis 2 Wochen ausreichen. Für diesen Zeitraum ist die Haltbarkeit gewährleistet. 
 
 
 
Mehr Rezepte über den Einsatz von Kastanien und Kastanienblüten habe ich in meinem Buch "Kastanien - Körperpflege, Waschmittel und Haushaltsreiniger" zusammengestellt. Dieses ist im Freya-Verlag erschienen und kann über den Buchhandel bezogen werden. 
 


Dienstag, 11. Mai 2021

Festes Shampoo für Bart und Kopfhaar

Dieses feste Shampoostück ist sehr praktisch in der Anwendung. Unter der Dusche angewendet reinigt und pflegt es Haut, Haar, Körper und Gesicht in einem Aufwasch. Die wertvollen Pflanzenöle pflegen Haut und Haar gleichermaßen. Das sehr gut schäumende Tensid Sodium Cocoyl Isethionate (SCI) wird aus natürlichem Kokosnussöl hergestellt. Es reinigt effektiv und ist dennoch besonders mild. Natürliche ätherische Öle sorgen für frischen Kräuterduft. 


Festes Dusch-Shampoo Kokos-Rosmarin 

Für dieses Rezept werden folgende Zutaten benötigt 

Fettphase 

Pulverphase 

Wasserphase 

Wirkstoffphase 

Zubereitung 

Die Zutaten der Pulverphase vorsichtig mischen, eventuell einen Mundschutz tragen. 
Das Emulsan im Olivenöl sanft schmelzen, vom Herd nehmen und Kokosnussöl einrühren. 
Die Zutaten der Wasserphase sanft erwärmen. 
Wasserphase in einem dünnen Strahl in die Fettphase einrühren. 
Die Pulverphase in die warme Emulsion mischen. 
Ätherische Öle eintropfen. 
Die Masse in kleine Silikonformen füllen und aushärten lassen. 

Anwendung 

Haut und Haar wie gewohnt anfeuchten. Das Shampoostück in der Hand mit Wasser aufschäumen. Den Schaum im Haar, Gesicht und auf dem Körper verteilen. 
Oder das Shampoostück direkt über das feuchte Haar bzw. Haut mit sanftem Druck kreisen. 
Nach einer sanften Massage wird der Schaum ausgespült. 

Aufbewahrung 

Nach der Wäsche bewahre ich das Shampoostück wie eine Seife in der Seifenschale auf, damit es trocknen kann. Sehr gute Dienste leisten auch Seifensäckchen, in den das Shampoo bis zur nächsten Verwendung aufbewahrt wird.

Sonntag, 9. Mai 2021

Dekorativer Veilchenzucker für die Wildkräuterküche

Der zart duftende Frühlingsbote hatte binnen weniger Tage violette Blütenteppiche in den Garten gezaubert. Mit wenig Aufwand kann ich mein Glas mit den anmutigen Blüten füllen. Diese werde ich zu einem köstlichen Veilchenzucker verarbeiten, mit dem ich allerlei Süßspeisen aromatisieren werde. 


 

Veilchenzucker 

Für dieses Rezept werden benötigt: 

  • 1 Tasse Veilchenblüten 
  • 1 Tasse Zucker 

Zubereitung 

Die Veilchenblüten an einem sonnigen Tag um die Mittagszeit sammeln. 
Eventuell säubern und gut trocknen.
Zusammen mit dem Zucker groß mixen.
In ein Schraubglas geben und im Kühlschrank für 1 bis 2 Tage ziehen lassen. 
Den Veilchenzucker auf einem Tuch für ein paar Stunden gut trocknen lassen. 
Dann nochmals fein zu Puderzucker malen – ich verwende eine alte, elektrische Kaffeemaschine 
Nun kann der fertige Veilchenzucker in einem Schraubglas für viele Monate aufbewahrt werden. 

 

Rezept Veilchen-Mascarpone-Kuchen 

Für den Teig werden folgende Zutaten benötigt: 

  • 4 Eier 
  • 200 g Butter 
  • 200 g Veilchenzucker 
  • 300 g Mehl 
  • 100 g Mascarpone 
  • 1 Prise Salz 
  • 1 Teelöffel Backpulver 

Zubereitung 

Den Backofen auf 175 Grad Ober-/Unterhitze oder 160 Grad Umluft vorheizen. 
Eine Gugelhupfform gut einfetten. 
Die Eier trennen und die Eiweiße steif schlagen. 
Butter, Veilchenzucker und Eigelbe schaumig rühren. 
Mascarpone unterrühren. 
Das Mehl mit dem Backpulver und der Prise Salz mischen. 
Das Gemisch unter den Teig rühren. 
Eischnee mit einem großen Löffel unter den Teig heben. 
Den Teig in die vorbereitete Gugelhupfform füllen und etwa 60-70 Minuten backen. 
Stäbchenprobe machen. 
Den Kuchen etwa 10-15 Minuten in der Form ruhen lassen, dann stürzen und abkühlen lassen. 

Für die Glasur und Dekoration werden folgende Zutaten benötigt: 

  • 100 g fein gemahlener Veilchenzucker 
  • 1 Esslöffel Wasser 
  • Einige Veilchenblüten- und blätter 
Wasser und Veilchenzucker verrühren und über dem Kuchen verteilen. 
Mit Veilchenblüten- und blättern dekorieren 
 

 

Donnerstag, 6. Mai 2021

Falsche Kapern? Echte Bärlauch Blütenknospen!

Als ich jüngst im Kochbuch „Die sparsame Löfflerin“ von 1919 blätterte, fiel mir ein Begriff besonders auf: „falsche Kapern.“ Ich erinnerte mich an meine Kindheit zurück, die ich im sogenannten „Flüchtlingsviertel“ verbrachte. Unsere Familie war unter den vielen Millionen Heimatvertriebenen, die sich nach dem Krieg auf den beschwerlichen Weg in den Westen machten, um sich dort eine neue Zukunft aufzubauen. Zu unseren Nachbarn hatten wir ein herzliches Verhältnis, denn man teilte die schmerzliche Erfahrung der Zwangsmigration. Diese Erinnerungen wurden gerne bei gemeinsamen Mahlzeiten ausgetauscht und ich lauschte sehr gerne den Erzählungen, die sich oftmals wie spannende Abenteuer anhörten. 

Einmal tischte unsere Nachbarin aus Ostpreußen Königsberger Klopse mit Kapernsoße auf und wies ausdrücklich darauf hin, dass es sich um echte Kapern handelt. Da ich weder wusste was echte, noch falsche Kapern waren, klärte sie mich auf. In den Hungerjahren wurden verschiedene Blütenknospen eingelegt, die dann fast genau so gut schmeckten wie die echten Kapern. Die unreifen Blütenknospen des Kapernstrauches, der im Mittelmeerraum zu Hause ist, waren in den mageren Zeiten unerschwinglich teuer. Also fand man in heimischen Blütenknospen einen kostenlosen Ersatz. Unsere Nachbarin verwendete vor allem die Knospen der Kapuzinerkresse. Frau Löffler wiederum empfiehlt in ihrem Kochbuch außerdem allerlei Knospen. Im Frühjahr bieten sich Gänseblümchen, Sumpfdotterblumen, Löwenzahn und Bärlauch an, im Sommer Schnittlauchblüten und Kapuzinerkresse. 


 

Als ich dann zum ersten Mal die falschen Kapern aus Bärlauch-Blütenknospen probierte, erschien mir die Bezeichnung falsch, denn sie schmeckten deutlich aromatischer als die echten Kapern. Eingelegte Bärlauch-Blütenknospen sind keine falschen Kapern, sondern eine echte Delikatesse für sich! 

Rezept für echte Bärlauch-Blütenknospen-Kapern 

Zutaten 

  • 50 g Bärlauch-Blütenknospen 
  • 200 g 5 % Weißweinessig 
  • 1 Teelöffel Salz 
  • 1 Teelöffel Zucker 
  • 1 Teelöffel Pfefferkörner 

Zubereitung 

Die Bärlauch-Blütenknospen reinigen, trocknen und in ein passendes Schraubglas geben. Die Knospen können auch auf 2 oder 3 kleinere Gläser verteilt werden. 
Weißweinessig mit Zucker, Salz und den Pfefferkörnern aufkochen und noch heiß über die Knospen geben, so dass diese gut bedeckt sind. 
Das Glas bzw. die Gläser sofort verschließen und abkühlen lassen. Für zwei bis drei Wochen an einem kühlen Ort ziehen lassen. 
 
Nach der Reifezeit habe ich eine würzige Sahnesoße mit Bärlauchkapern zubereitet. Diese schmeckt köstlich zu frischem Spargel und Salzkartoffeln. Das herzhafte Aroma der Bärlauchknospen macht aus der einfachen Soße ein wunderbares Geschmackserlebnis, an das echte Kapern nicht heranreichen, denn zum Vergleich hatten wir ein Glas gekauft. Doch schon ein Blick auf das Etikett genügt, um zukünftig den heimischen "falschen Kapern" den Vorzug zu geben: "Hergestellt in Griechenland mit Kapern aus der Nicht-EU".