Freitag, 24. September 2021

Feuchtes Toilettenpapier mit Pestwurz natürlich selbstgemacht

Der Nordschwarzwald ist ein Paradies für Wanderer. In Bad Herrenalb hatten wir den Klostergarten besucht. Hier hatte ich den wohl gewaltigsten Pestwurz gefunden, denn selbst für die sonst schon großen Blätter der Pflanze waren diese hier außergewöhnlich riesig.

Über die Pestwurz hatte ich vor zwei Jahren schon mal einen Post geschrieben. Zwischenzeitlich konnte ich noch weitere Einsatzgebiete für dieses Heilkraut finden, das etwas in Vergessenheit geraten ist. 
Die Blätter der Pestwurz bilden sich erst nach der Blüte aus und man kann sie bis weit in den Herbst sammeln. Aufgrund ihrer Größe sind sie auch leicht an feuchten Wegrändern oder Bachläufen zu finden. Hier in Süddeutschland nennt man die Pestwurz auch scherzhaft „Arschwurz“ oder „des Wanderers Klopapier“. Tatsächlich gibt es archäologische Funde, die beweisen, dass die weichen Blätter der Pestwurz bereits in der Jungsteinzeit als Toilettenpapier verwendet wurden. Hildegard von Bingen empfahl eine Zubereitung aus den Blättern oder dem Wurzelstock der Pestwurz gegen Wunden und Geschwüre. Diesem Hinweis folgend habe ich im „Taschenbuch der Heilpflanzen“ von 1912, eine konkrete Anwendung gegen starke Rötungen und Unreinheiten der Haut gefunden. Dies deckt sich auch mit den Inhalten mehrerer historischer Kräuterbücher. Darauf basierend habe ich dann ein Rezept das nachfolgende Rezept zusammengestellt. 




Über meine Vorbehalte gegenüber feuchtem Toilettenpapier hatte ich auch schon berichtet. Erfreulicherweise gibt es zwischenzeitlich Sprühlotionen zu kaufen, jedoch enthalten diese noch bedenkliche Inhaltsstoffe wie Polyquaternium, Polysorbate-20, Methylchloroisothiazolinone und Methylisothiazolinone. Ich bin mir sogar sicher, dass die natürlichen, hautberuhigenden Substanzen der Pestwurz viel gesünder sind. 

Rezept zur Herstellung eines Pestwurz-Heilöls 

Zutaten 

  • 100 g Mandelöl 
  • 1 bis 2 Pestwurzblätter 

Zubereitung 

Die frischen Pestwurzblätter reinigen und fein schneiden.

In ein Schraubglas geben und das Mandelöl darüber gießen, so dass die Pflanzenteile gut bedeckt sind.

Den Deckel schließen.

Die Mischung für etwa 24 Stunden bei ungefähr 40 Grad im Babykost-Erwärmer oder im Joghurtbereiter ziehen lassen. 

Alternativ kann der Ölauszug auch auf dem Herd zubereitet werden. Hierfür wird das geschlossene Glas im Wasserbad bei niedriger Temperatur auf dem Herd sanft erwärmt. Dann für 2 Stunden bei geringer Wärmezufuhr ziehen lassen. Dabei muss darauf geachtet werden, dass das Öl nicht zu heiß wird.

Danach wird der Ölauszug durch einen Teefilter oder ein Leinentuch abgesiebt und in ein gut verschließbares Glas gefüllt, das mit dem Herstellungsdatum beschriftet ist. 
Das Mazerat muss im Kühlschrank aufbewahrt werden, wo es für etwa 6 Monate haltbar ist.



Rezept für eine Reinigungslotion zum Aufsprayen auf Toilettenpapier 

Zutaten 

  • 30 g Pestwurz-Aufguss 
  • 10 g Pestwurz-Heilöl 
  • 5 g Betain 
  • 2 Tropfen ätherisches Lavendelöl 
  • 2 Tropfen ätherisches Salbeiöl 

Zubereitung 

Für den Aufguss die Pestwurzblätter fein schneiden und mit warmen, aber nicht kochendem Wasser überschütten. Für gut eine halbe Stunde ziehen lassen. Den Sud durch einen Kaffeefilter sieben, damit keine Pflanzenrückstände zurück bleiben. 

Alle Zutaten in einen Sprühflakon geben und kräftig schütteln. 

Anwendung 

Vor jedem Gebrauch muss die Mischung kurz geschüttelt werden, da kein Emulgator das Gemisch dauerhaft verbindet. Das Reinigungsfluid wird auf Toilettenpapier gesprüht. Die angegebene Menge sollte für ein bis zwei Wochen ausreichen. Für diesen Zeitraum ist die Haltbarkeit gewährleistet. Das Heilöl verleiht der Lotionen neben ihren reinigenden und pflegenden Eigenschaften auch eine heilende Wirkung bei bereits aufgetretenen Reizungen im Intimbereich und beugt zudem Hämorriden vor.