Mittwoch, 17. Oktober 2018

Ringelblumen bringen Aroma und Farbe ins Essen

Bei meinem letzten Besuch auf dem Flohmarkt in Nördlingen habe ich wieder einen wahren Schatz bergen können: Henriette Davidis Praktisches Kochbuch aus dem Jahr 1892. Dem Buch sieht man die Spuren des jahrzehntelangen Gebrauchs deutlich an, was es für mich aber nicht weniger wertvoll macht. Beim Lesen fiel mir ein Kuchen besonders auf, denn dieser hat als geschmacks- und farbgebende Zutat Ringelblumenblüten. 

 Da ich mich jetzt sowieso an die Ernte der noch verbliebenen Ringelblumen mache, habe ich den Zucker wie im Buch beschrieben hergestellt: 

Rezept Ringelblumenzucker

Zutaten 


Zubereitung 

Die Ringelblumen in den Mittagsstunden pflücken. Die Blütenblätter aus dem Kelch zupfen und zerkleinern. Die Blütenblätter zusammen mit dem Zucker in ein abwechselnd in ein verschließbares Glas schichten. Für 3 bis 4 Tage an einen kühlen Ort stellen. Dann den Zucker zusammen mit dem Blütenblättern mit dem Mörser fein mahlen. Schneller und einfach lässt sich der Zucker in der Küchenmaschine mahlen. 
Auf einem Backblech verteilen und über Nacht trocknen lassen. 
Dann kann der aromatisierte Zucker in Gläser abgefüllt werden. So getrocknet ist er noch viele Monate haltbar und aromatisiert Süßspeisen, Getränke und Kuchen. 

Der Ringelblumenzucker zaubert eine wunderbare Farbe in diesen einfachen Ruhrküchen:

Rezept Ringelblumenkuchen 

Zutaten 

  • 150 g Butter 
  • 3 Eier 
  • 200 g Ringelblumenzucker 
  • 250 g Milch 
  • 500 g Mehl 
  • 1 Bio-Orange 
  • 1 Teelöffel Backpulver 

Zubereitung 

Die Butter schaumig schlagen. 
Die Eier trennen. 
Eigelb, Ringelblumenzucker und 100 g Milch unter die Butter schlagen. 
Die Schale der Orange reiben und einrühren.
Mehl mit Backpulver mischen und im Wechsel mit der restlichen Milch unterrühren. 
Das Eiweiß zu steifem Schnee schlagen und vorsichtig unterheben. Teig in eine gefettete Form füllen und im vorgeheizten Backofen bei 180 Grad (Umluft 160 Grad) für ungefähr 60 Minuten backen. 

Montag, 8. Oktober 2018

Putzen mit selbst hergestellter Naturseife

Als ich 2005 mit dem Sieden von Seifen begann, wollte ich diese vor allem zum Filzen verwenden. Gute Pflanzenseife gehört als Filzerin zu meinem Handwerkszeug und ich konnte diese durch den gezielten Einsatz von Rohstoffen auf meine Bedürfnisse anpassen. Im Lauf der Jahre entwickelte ich viele weitere Rezepte und meine handgesiedeten Seifen eroberten immer neue Einsatzgebiete in unserem Haushalt. 
In den letzten Jahren habe ich mich intensiv mit der Herstellung von Putzseifen beschäftigt. Hierfür habe ich zahlreiche Rezepte kreiert, in die ich viele natürliche Zusätze eingebracht habe. Vor allem mit der Herstellung von weicher Schmierseife konnte ich das Einsatzspektrum der selbst hergestellten Putzseifen erheblich erweitern. 
Die umfangreiche Rezeptsammlung habe ich in meinem Buch „Putzen mit selbst hergestellter Naturseife“ veröffentlicht. Es kann hier bestellt werden, das Inhaltsverzeichnis kann hier eingesehen werden. Da in der Vergangenheit bei der Weiterverbreitung meiner Rezepte im Internet mit meinem Urheberrecht recht großzügig umgegangen wurde, möchte ich die Rezepte nicht mehr auf meiner Homepage veröffentlichen. 


Naturseife im Haushalt – die Alternative zu industriell gefertigten, aufwändig verpackten Produkten. 

Die Ausgangsüberlegung war, Seife als reinigendes Tensid herzustellen. Meine Recherchen ergaben, dass sogenannte „Putzseife“ durch Aussalzen von Seifenresten hergestellt werden kann. Doch dies ist ein mühevoller Prozess, der zudem mit hohem Energieaufwand verbunden ist. Andere Rezepte für selbstgemachte Putzmittel auf Seifenbasis enthalten vor allem gekaufte Kernseife als Ausgangsmaterial. Doch diese möchte ich nicht verwenden, denn Kernseife wird traditionell aus Rindertalg (Sodium Tallowate) hergestellt. Kernseife auf pflanzlicher Basis wird häufig aus Palmfett gesiedet. Nach der Verseifung wird die Seifenmasse ausgesalzen und der Seifenkern abgetrennt. Zurück bleibt die entkernte Seife, ohne pflegende Eigenschaft, reduziert auf die reinigende Wirkung. Meine Putzseifen sind jedoch aus pflanzlichen Ölen, ohne Fettüberschuss und mit natürlichen, mechanischen Hilfsstoffen gesiedet. Diese sind, wie die Seife selbst, gut biologisch abbaubar und somit sehr umweltfreundlich. Der Einsatz ätherischer Öle in den Putzseifen lässt diese nicht nur gut duften, sondern sie unterstützen auch die Reinigungswirkung und senken die Belastung durch Bakterien, Viren und Pilze nachweisbar. 


Putzen mit Naturseife schafft gesunde Sauberkeit!

Mittwoch, 3. Oktober 2018

Essig-Kräuter-Badreiniger



In den letzten Wochen blieb mir wenig Zeit zum Schreiben, da wir unser Bad renoviert haben. Zwar ist ein großer Teil der anfallenden Arbeiten von Handwerkern ausgeführt worden, doch einige haben wir selbst erledigt. Der Aufwand hat sich auf jeden Fall gelohnt, denn unser neues Bad ist genauso wie wir es uns vorgestellt haben. 

Rezept für einen Essig-Kräuter-Badreiniger 

Hier noch eine Variante des Pestessigs, der fruchtig-frischen Duft ins Badezimmer bringt. Der leistungsstarke Hygienereiniger löst auf allen glatten Oberflächen Schmutzablagerungen, die der Nährboden für Bakterien sind. Zudem entfernt er Kalk und Seifenreste zuverlässig. 

 
  
Zutaten 
 

Vorbereitungen 

Die Kräuter grob zerkleinern und in ein verschließbares Glas geben. Es sollte kein Kunststoffbehältnis sein, da die Essigsäure bedenkliche Bestandteile aus dem Kunststoff löst. Mit Essig aufgießen, so dass die Kräuter gut bedeckt sind. Für ein paar Tage verschlossen stehen lassen, bis die Kräuter den Essig dunkel färben. Um Schimmelbildung zu vermeiden sollte stets darauf geachtet werden, dass die Kräuter immer gut mit Essig bedeckt sind. Dann wird der Essigauszug abgesiebt, so dass sich keine Kräuterreste mehr im Essig befinden. 
Limettenschalen zerkleinern und in den Wodka bzw. Doppelkorn einlegen, so dass sie gut bedeckt sind. Für ein paar Tage verschlossen stehen lassen. Um Schimmelbildung zu vermeiden sollte stets darauf geachtet werden, dass die Schalen immer gut mit Alkohol bedeckt sind. Dann wird der Alkoholauszug abgesiebt, so dass sich keine Schalenreste mehr in der Flüssigkeit befinden. 

Zubereitung 

Kräuter-Essig-Auszug mit Limetten-Alkohol-Auszug in Verhältnis 5 : 1 mischen. Dann werden noch die ätherischen Öle und das Betain beigefügt, schütteln – fertig. 



Freitag, 21. September 2018

Neue Ideen zur Verwertung von Kastanien

Ein sonnenreicher Sommer verabschiedet sich und rechtzeitig zum Herbstanfang reifen die Kastanien. Es gibt reichlich Sammelgut von enormer Größe, so dass der Korb schnell voll ist. Aus den geschroteten Kastanien werde ich Waschmittel, Badezusätze und Salben herstellen. Bei meiner Vorbereitung für einen Kurs beim Kneipp-Verein Ellwangen habe ich noch weitere Rezepte erarbeitet, die vor allem die venenstärkenden Eigenschaften der Kastanie hervorheben. Die Rosskastanie ist eine wichtige Heilpflanze, die vor allem gegen Venenerkrankungen, Krampfadern, Hämorrhoiden und geschwollene Füße hilft. Die Früchte der Rosskastanie enthalten das entzündungshemmende Aescin, ein Gemisch aus über 30 verschiedenen Saponinen. Aescin dichtet die Gefäßwände ab und erhöht die Gefäßspannung der Venen. Das Abfließen von Wassereinlagerungen in den Beinen wird unterstützt. Die in der braunen Samenschale enthaltenen Gerbstoffe wirken antibakteriell, antiviral und ebenfalls entzündungshemmend, dadurch wird der Heilungsprozess der Haut gefördert. Die Verwendung als Reinigungslotion für Toilettenpapier bietet sich daher an und ich habe hierfür ein Rezept entwickelt. Diese Lotion ist einfach herzustellen und unkompliziert in der Anwendung. Die Wirkung der Kastanien wird durch die pflegenden Eigenschaften des antibakteriell wirkenden Schwarzkümmelöls unterstützt. Nur zwei Zutaten ergänzen sich in dieser Lotion zu einer gesunden und pflegenden Reinigung der empfindlichen Analregion nach dem Stuhlgang. Meine Schwägerin nennt diese Lotion übrigens liebevoll „Popo-Spray“. 
Da ich die Verwendung von konventionellem, feuchtem Toilettenpapier sehr kritisch sehe, habe ich hier einen Eintrag zu diesem Thema geschrieben. 


Hier nun mein 

Rezept für eine venenstärkende Reinigungslotion aus Kastanien 

Vorbereitung

Kastanien sammeln und zerkleinern. Entweder werden die Kastanien in ein Geschirrtuch gewickelt und mit dem Fleischklopfer grob zerschlagen oder mit einer alten Kaffeemühle zerkleinert. Leichter geht es jedoch mit einem Standmixer. Ich schäle die Kastanien nicht, da die braune Samenschale wichtige Gerbstoffe enthält. 

Zutaten

Zubereitung 

Kastanienschrot in ein Schraubglas füllen. 
Nun das Wasser in das Glas schütten und verschlossen über Nacht stehen lassen. 
Am nächsten Tag die Mischung durch ein feines Sieb in eine Sprühflasche filtern und schließlich das Schwarzkümmelöl eintropfen. 

Anwendung 

Vor jedem Gebrauch muss die Mischung kurz geschüttelt werden, da kein Emulgator das Gemisch dauerhaft verbindet. Das Reinigungsfluid wird zur Reinigung auf Toilettenpapier gesprüht.

Dienstag, 18. September 2018

Bucheckern-Pesto mit Quendel und Dost


Die Landschaft der Schwäbischen Alb wird vor allem durch Buchenwälder und Wacholderheiden geprägt. Während viele Pflanzen unter der anhaltenden Dürre leiden, gedeihen der Dost sowie der Quendel ausdauernd und üppig. Die wilden Verwandten von Majoran und Thymian lieben die trockenen, sonnigen Heideflächen. Die Buchen öffnen ihre Fruchtbecher und geben die Bucheckern frei. 
Meine Eltern haben mir oft erzählt, wie sie in der „schlechten Zeit“, also während des Krieges und danach, Bucheckern gesammelt hatten. Um die Lebensmittelknappheit zu meistern, mussten sich auch die Kinder an der Versorgung beteiligen. Oft hatten sie tagelang Bucheckern gesammelt, um diese dann in der Ölmühle pressen zu lassen. Das Bucheckernöl geriet dann in Vergessenheit, vermutlich weil das Sammeln der Früchte mit hohem Aufwand verbunden ist. Heute kann es als wertvolle Rarität wieder gekauft werden. 



In Marie Schandris berühmten Regensburger Kochbuch von 1932 konnte ich zwar keine brauchbaren Rezepte finden, jedoch eine Anleitung, wie die Bucheckern verarbeitet werden. Mit diesen Informationen konnte ich dann mit meinen gesammelten Zutaten folgendes Rezept zusammenstellen: 

Rezept für ein Wildkräuter-Bucheckern-Pesto 

Vorbereitung 

Die gesammelten Bucheckern in eine große Schüssel oder einen Eimer mit Wasser schütten. Die leichten, oben schwimmenden Bucheckern enthalten keine Samen und können entsorgt werden. Nun werden die Spitzen der Bucheckern mit einem Messer abgeschnitten, so dass die harte Schale besser entfernt werden kann. 

Zutaten 

  • 30 g geschälte Bucheckern 
  • 30 g frischen Quendel, Dost, Petersilie, Basilikum und Gundermann 
  • 80 g Bucheckernöl
  • 10 g geriebener Parmesan 
  • 1 Knoblauchzehe 
  • 1 Prise Salz 
  • 1 Prise Pfeffer 

Zubereitung 

Die geschälten Bucheckern in einer Pfanne für einige Minuten ohne Fett anrösten. Die Kräuter reinigen und grob schneiden. Ich habe Wildkräutermischung mit ein paar Blätter Gundermann, etwas Petersilie und Basilikum ergänzt. Alle Zutaten mit dem Stabmixer pürieren. In ein verschließbares Glas füllen und darauf achten, dass die Kräuter gut mit Öl bedeckt sind.

Donnerstag, 30. August 2018

Samtweiche Haut durch Borretschsamenöl und Sheabutter

Borretsch gehört zu meinen Lieblingskräutern. Er sät sich selbst aus, ist unkompliziert und verlangt keine Pflege. Die schönen, blauen Blüten zieren nicht nur den Garten, sondern sehen auch im Salat gut aus. 
Aus Borretschsamen wird ein wunderbares Öl gewonnen, das trockene, empfindliche, rissige und schuppige Haut wieder geschmeidig macht. Das hochwertige Öl hilft bei Neurodermitis und wirkt gegen Schuppenflechten. 
Die nachfolgende Creme mit Borretschsamenöl und Sheabutter reguliert die Hautfeuchtigkeit, lindert Juckreiz und regeneriert die Haut. 


Rezept für eine hautregenerierende Creme mit Borretschsamenöl 

Zutaten Fettphase 

Zutaten Wasserphase 

  • 50 g destilliertes Wasser oder Rosenwasser 
  • 1 Teelöffel Honig 

Zubereitung 

Emulsan im sanft im Borretschsamenöl schmelzen. Danach die Fettphase vom Herd nehmen und die Sheabutter dazugeben. 
Rosenwasser bzw. destilliertes Wasser leicht erwärmen und Honig darin auflösen. Die Wasserphase in dünnem Strahl in die Fettphase einrühren. Rühren bis eine stabile Emulsion entstanden ist.

Mittwoch, 1. August 2018

Hautregenerierende Pflege mit den Wirkstoffen der Wegwarte

Heute ist Lughnasadh, das Schnitterfest. Der Sommer hat seinen Höhepunkt erreicht und auf den Feldern herrscht reges Treiben. Entlang der Straßen sticht das herrliche Blau der Wegwarte ins Auge. Die gemeine Wegwarte ist eine überaus genügsame Pflanze, die sich ähnlich dem Löwenzahn selbst durch die Asphaltdecke kämpft. Das schöne Blümchen hat jedoch noch mehr als nur ihr gutes Aussehen zu bieten. Ich kenne sie unter dem Namen „Zichorien“, denn dieses Wort stand auf einer Keramikschütte in Urgroßmutters Küche geschrieben. Darin befanden sich jedoch keinesfalls Blumen, sondern „Muckefuck“. Ein kaffeeähnliches Aufgussgetränk, das in der der Nachkriegszeit den damals so kostbaren Kaffee ersetzte. Da das Getränk kein Koffein enthält, durften sogar wir Kinder einen „Kaffee-Ersatz“ aus den guten Sammeltassen trinken und uns dabei wie Erwachsene fühlen. Viele Jahre später habe ich mir in der French-Press einen Muckefuck aufgebrüht und war überrascht, wie gut er schmeckte. 
In alten Kräuterbüchern wird die Wirksamkeit der Wegwarte gegen Augenleiden und Hautunreinheiten gepriesen. Waschungen sollen gegen unreine, großporige Haut, Ekzeme und Rötungen helfen. Konkrete Rezepte konnte ich jedoch keine finden. Die heilenden Wirkstoffe sind in allen Pflanzenteilen, vor allem in der Wurzel. Daher habe ich einen Ölauszug aus den Wurzeln bereitet und ein Hydrolat aus den Blättern und Blüten destilliert. Aus diesen Grundzutaten habe ich das Rezept für die nachfolgende Gesichtscreme entwickelt. 


Rezept für einen Ölauszug aus Wegwartewurzeln 

Zutaten 

Zubereitung 

Die Wurzeln ausgraben, waschen und möglichst klein schneiden. Zusammen mit 150 g kaltgepresstem Olivenöl in ein verschließbares Glas geben. Die Mischung stelle ich dann für mindestens 24 Stunden bei circa 40 Grad in den Babykostwärmer. Danach wird der Ölauszug durch einen Teefilter oder ein Leinentuch abgesiebt und in ein gut verschließbares Glas gefüllt, das mit dem Herstellungsdatum beschriftet ist. Das Mazerat muss im Kühlschrank aufbewahrt werden, wo es für etwa 6 Monate haltbar ist. 




Rezept für eine hautregenerierende Wegwarte-Creme 

Zutaten Fettphase 

Zutaten Wasserphase 

  • 40 g Wegwarte-Hydrolat oder Tee 
  • 3 g Honig 

Zubereitung 

Aus frischen Wegwarteblättern- und blüten ein Hydrolat oder einen Tee herstellen. Für den Tee werden ungefähr 5 g frische Pflanzenteil mit 200 g heißem, destilliertem Wasser übergossen. Nach einer Stunde durch ein feines Sieb und nochmals durch einen Kaffeefilter filtern, so dass keine Pflanzenreste im fertigen Auszug verbleiben. 
Den Emulgator Tegomuls im Wegwarte-Ölauszug klar aufschmelzen. Danach die Fettphase vom Herd nehmen und die Kokosnussöl einrühren. 
Den Honig im erwärmten Tee bzw. Hydrolat auflösen. Die Wasserphase in dünnem Strahl in die Fettphase einrühren. Rühren bis Handwärme erreicht ist.